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Thema: Hätten wir nur gewusst…

30. Januar 2021

Manches hätten wir anders getan, anders geplant, wenn wir vor einem Jahr gewußt hätten, wie sehr und wie lange uns dieses Virus einschränken würde, wenn wir begriffen hätten, wie großes Leid es auslösen würde. Immer wieder meinten wir zu wissen, wann es etwa soweit wäre, daß wir wieder normal leben könnten. Oder wenigstens hatten viele dazu ihre Meinung bzw. ihre Planungshorizonte. Und dann mußten sie ihre Programme über den Haufen werfen. Das, was wir im Hinblick auf die Zukunft wissen, ist in ungewohnten Zeiten recht bescheiden im Verhältnis zu dem, was wir nicht wissen; da gibt es zu viele Unwägbarkeiten, allen voran, inwiefern unsere Mitmenschen ihre Mitverantwortung kapieren und wahrnehmen.

Die Erkenntnis, daß wir so wenig wissen, hat sich in unserer Sprache niedergeschlagen: Das dauert ‚wer weiß‘ wie lange noch! ‚Wer weiß‘, was alles noch geschieht oder schon morgen wird? Und wie dies oder das passiert ist, das ‚wissen die Götter‘! Und was der da macht – ‚weiß Gott‘, wie der das schafft! ‚Weiß der Himmel‘, wie meine Brille hierhergekommen ist! ‚Weiß der Kuckuck‘ – ‚weiß der Teufel‘ (sogar), was du da jetzt im Sinn hast! Oder ‚was weiß ich!‘ – ‚wenn ich das wüßte!‘ Ähnliches finde ich auch in der Bibel: In dieser Welt gibt es „wer weiß wie viele“ Sprachen“ (1.Kor 14,10).

Mit Ironie macht Paulus einmal mit im Spiel der Selbstprofilierung mit übernatürlichen Visionen: „Ich kenne einen [Christen]; vor 14 Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß es –, da wurde derselbe bis in den dritten Himmel entrückt…“ (2.Kor 12,2f). Anderswo: „Was ich euch schreibe – Gott weiß, ich lüge nicht!“ (Gal 1,20; vgl. 2.Kor 11,11). – „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben ist Gewinn… Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht“ (Phil 1,21f). „Wer weiß (fragt der ‚Prediger‘ Kohelet), was gut ist für den Menschen im Leben, in der Zeit seines flüchtigen Lebens, die er verbringt wie ein Schatten?“ (Koh 6,12; vgl. 2,19; 3,21) – David fastete, solange sein Kind im Sterben lag. Weshalb wohl? „Ich dachte: Wer weiß, vielleicht ist Gott mir gnädig, und das Kind bleibt am Leben“ (2.Sam 12,22; vgl. Joel 2,14; Jona 3,9; 4,2). – Was tut Königin Esther, während ihrem Volk höchste Gefahr droht? Schweigen?!? „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zur Königswürde gelangt bist?“ (Esther 4,14)

Im Tal der Totengebeine wird ein Prophet gefragt: ‚Können diese Gebeine wieder lebendig werden?‘ Er antwortet: „Herr Gott, du weißt es (Ezechiel 37,3). – „Er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er denkt daran, daß wir Staub sind“ (Psalm 103,14; vgl. 139). – Und Jesus sagt: „Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet“ (Matt 6,8). Darum, weil Gott solches weiß und – wie Jesus für selbstverständlich hält – sich darum kümmert, so sind wir frei, unsere Energien in die größten Ziele zu investieren (Matt 6,32f). Nach Ostern fragt er Simon Petrus dreimal: „Liebst du mich?“ Da antwortet er zuletzt: „Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebe“ (Joh 21). – In unserem Gottvertrauen nehmen wir Christen an, daß Gott mit solchem Allwissen gut umgehen kann – außer wenn es uns vorkommt, als würden wir vergessen bzw. als wäre Gott diesbezüglich machtlos oder lieblos. In meiner Betrachtungsweise macht Gott als einziger nur keinen Mißbrauch von solchem Wissen!

„Wissen (selbst) ist Macht„, schrieb der englische Philosoph Frances Bacon vor 424 Jahren. Gerade darum wir es oft vorgetäuscht, oder manipuliert, verdreht, und zensiert. Daten sind heute ein derart begehrtes Gut, daß sie oft vor Mißbrauch geschützt werden müssen. Wissen ist freilich mehr als Information; dienlich ist v.a. das Gewußt-wie. Und sonst auf dem besten Weg dahin: erproben, ertüfteln, achtgeben, was sich wirklich bewährt… und so zur Weisheit und Kompetenz gelangen…. „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ (Albert Einstein). – „Wissen vergeht. Unser Wissen ist Stückwerk“ (1.Kor 13,8f). – Und: „mit dem Wissen wächst der Zweifel“ (Goethe)!!!

Wenn wir nur wüßten!? Wir wissen wohl alle genug, um einigermaßen vernünftig und solidarisch leben und handeln zu können. ‚Wie man weiß‘ – und wir wissen es ebenso: „Geteiltes Leid halbes Leid.“ Oder: „Es sind oft die kleinen Dinge, die ein Leben verändern.“ Usw. usf. Darunter auch dies: „Man kann es nicht allen recht machen.“

(Peter Caley)

 

„Wer weiß denn schon mit 40, was er mal werden will…“

„So viel Geld läßt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.“ (Friedrich Schiller)

„Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, daß sie einfach da sind… daß sie ein Geschenk des Himmels sind. Sie wüßten es, würden wir es ihnen sagen.“ (Petrus Ceelen)